Methodische Arbeit

Die methodische Arbeit an den Schulen ist meist „oral“ bzw. „aural“ geprägt, wobei sich in letzter Zeit ein Trend zur auralen Methode abgezeichnet hat. Die „orale Methode“ beinhaltet die Förderung des Sprechens und Absehens vom Mund, d.h. die visuelle Erkennung gesprochener Äußerungen am Mund des Gesprächspartners. Bei der „auralen Methode“ wird das ggf. vorhandene Resthörvermögen trainiert, um das Kind darin zu fördern, Geräusche und lautsprachliche Äußerungen über das Gehör zu erkennen. Das Kind soll dabei lernen, auf das Mundabsehen zu verzichten und sich stattdessen auf die Höreindrücke zu verlassen.

Verschiedene Studien mit „oral“ unterrichteten Kindern haben inzwischen gezeigt, dass die Lesefähigkeiten dieser Kinder nach Beendigung ihrer Schulzeit alles andere als altersgemäß ist. In den Ergebnissen wird von einer Lesekompetenz gesprochen, die mit den Lesefähigkeiten von normal hörenden Dritt- bzw. Viertklässlern vergleichbar ist. Dieses niederschmetternde Ergebnis ist eine große Herausforderung für die Hörgeschädigtenpädagogik. Viele Eltern kämpfen für bessere Bildungsmöglichkeiten für ihre tauben Kinder. Durch ihren Protest konnte ein neuer, bilingualer Ansatz eingeführt werden, in dem Deutsch und DGS als gleichwertige Sprachen betrachtet werden und im Unterricht eingesetzt werden. Die Anzahl tauber Schüler mit Migrationshintergrund hat zugenommen, ebenso wie die Zahl von Schülern, die wegen Zusatzbehinderungen einen zusätzlichen Förderbedarf haben (z.B. Lernbehinderungen). Insgesamt geht die Schülerzahl an den Schulen für taube Kinder jedoch deutlich zurück.

Eine weitere große Herausforderung bildet der medizinische Fortschritt: Während früher nur Hörgeräte zum Einsatz kamen, werden die meiste tauben Kinder heute mit einem Cochlea Implantat versorgt. Die passende Unterrichtsmethode für CI-versorgte Schüler ist noch heiß umstritten. Einerseits gibt es die Meinung, dass das CI die Taubheit zu einer Schwerhörigkeit abschwäche und folglich auf den „überflüssigen“ Einsatz von Gebärdensprache verzichtet werden könne. An anderer Stelle wird indes empfohlen, CI-versorgte Kinder mit DGS zu fördern, weil dies ihre kognitive Entwicklung und die Entfaltung der deutschen Lautsprache unterstützen würde.