Inklusion statt Integration

Integrative Beschulung bezeichnet in der Pädagogik die gemeinsame Unterrichtung behinderter und nicht behinderter Schüler an Regelschulen. Dabei kommen ambulante Betreuungskonzepte zum Einsatz, bei denen in der Regel ein speziell ausgebildeter Lehrer zu bestimmten Zeiten zusätzlich zum Regelschullehrer im Unterricht anwesend ist, um auf den besonderen Förderbedarf des behinderten Kindes einzugehen.

Ziel der integrativen Beschulung ist, dass das hörbehinderte Kind lernt, sich an die Mehrheitsgesellschaft der Hörenden so gut wie möglich anzupassen.

Statt dieser in Deutschland modern gewordenen Integrationspädagogik wird heute im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention jedoch eine neue Form des Miteinanders gefordert, die sogenannte „Inklusion“.

Im Unterschied zur Integration geht es hierbei nicht um die Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft, sondern um die Teilhabe an ihr. Einige Schulen haben bereits auf diese Forderung reagiert und sich umbenannt: Statt „Hörgeschädigtenschulen“ heißen sie nun „Bildungszentrum“ oder „Kompetenzzentrum für Hörgeschädigte“. Ihr Förderschwerpunkt liegt auf den Bereichen Hören und Kommunikation. In diesen Zentren findet kein Unterricht mehr statt. Sie sind stattdessen dafür zuständig, die inklusive Beschulung hörbehinderter Kinder an Regelschulen durch entsprechend ausgebildete ambulant tätige Lehrer zu gewährleisten. Für den Gehörlosen- bzw. Schwerhörigenlehrer hat sich der Berufsalltag dadurch sehr verändert: Ihre Schüler bilden nun keine ganze Klasse mehr, sondern sind vereinzelt in verschiedenen Schulen mit hörenden Kindern untergebracht, wo sie ambulant betreut und gefördert werden müssen. Da immer mehr Schüler inklusiv an Regelschulen unterrichtet werden, schrumpfen die Schülerzahlen an den traditionellen Hörgeschädigtenschulen enorm. Dies stellt wiederum hohe Anforderungen an die pädagogische Arbeit. Eine Strategie ist die Herausarbeitung von Schulprofilen, die Angebote machen, die an Regelschulen nicht geleistet werden können, wie z.B. bilingualer Unterricht mit DGS und Deutsch als gleichwertig eingesetzte Unterrichtssprachen. Bei der Entscheidung, welche Unterrichtsform geeigneter ist, sollten bei allen Gemeinsamkeiten auch die Unterschiede zwischen Regelschule und Hörgeschädigtenschule beachtet werden.

An den Hörgeschädigtenschulen ist meist nur ein kleiner Teil des pädagogischen Personals selbst von einer Hörschädigung betroffen. Auch die Kommunikationsebene, die an den meisten Hörgeschädigtenschulen herrscht, ist unter dem Aspekt der optimalen Förderung gehörloser Kinder fragwürdig. Darüber hinaus fehlt den meisten Hörgeschädigtenschulen ein ausreichend großer „Deaf Space“, d.h. die Berücksichtigung der Gehörlosenkultur im Schulalltag.

Zusammenfassung:

Als im 18.Jahrhundert die ersten Schulen für taube Kinder gegründet wurden, die erste in Paris, wo Abbé de l’Epée die Leitung innehatte und bald darauf die Schule in Leipzig, deren Direktor Samuel Heinicke war, existierten Epée’s Unterrichtsmethode, die sogenannte „manuelle Methode“ und die von Heinicke vertretene „orale Methode“ noch eine Zeit lang parallel. Damals waren auch viele Lehrer selbst taub. Doch im Jahr 1880 wurde im Rahmen des sog. „Mailänder Kongresses“ schließlich eine Empfehlung herausgegeben, die besagte, dass vorzugsweise die orale Methode im Unterricht und in der Erziehung tauber Menschen eingesetzt und verbreitet werden solle.

Dies hatte weit reichende Folgen: Überall, auch in Deutschland, wurde von dem Zeitpunkt an die manuelle Methode und auch gehörlose Lehrer aus den Schulen verbannt. Erst in den 1970er Jahren wurden wieder vereinzelt gehörlose Personen als Fach- oder Hilfslehrer im Unterricht mit tauben Kindern eingesetzt und seit 1980 können gehörlose Schüler in Deutschland an der Kollegschule in Essen das Abitur machen und somit die Zulassungsvoraussetzung für ein Studium erwerben. Inzwischen haben viele Gehörlose mit Gebärdensprachdolmetschern ein Lehramtsstudium absolviert, um selbst taube Kinder zu unterrichten. Die Gruppe berufstätiger tauber Lehrer hat sich deshalb in den letzten Jahren deutlich vergrößert. Sie übernehmen eine Vorbildsfunktion für die tauben Schüler und sorgen dafür, dass der „Deafspace“ an den Schulen seinen verdienten Platz bekommt.